Offener Brief der IG Metzgergrün zum „Projekt Metzgergrün“ – Offenlage des Bebauungsplans

An Stadtrat, Verwaltung, Presse und Stadtbau:

Sehr geehrte Damen und Herren,

angesichts der Auswirkungen der Coronakrise auf alle Lebens- und Arbeitsbereiche sind die nächsten Monate im Moment schwer abzuschätzen, auch im Hinblick auf politische Entscheidungen. Nach dem letzten Informationsstand ist die Offenlage des Bebauungsplans für die „Neuentwicklung Metzgergrün“ auf Mai 2020 angekündigt. Wir können nur vermuten, dass sich Prioritäten und Zeitpläne ändern werden. Deshalb bitten wir Sie umso dringlicher um mehr Transparenz und Informationsfluss für laufende Prozesse und veränderte Arbeitsweisen. Mit dem Quartiersladen der Ferdinand-Weiß-Straße stehen Ihnen jederzeit Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung. Auch über die Email der IG Metzgergrün können Sie die BewohnerInnen direkt erreichen.

Durch die Kontaktbeschränkungen sind vermutlich noch auf längere Zeit keine persönlichen Treffen von Gruppen möglich, das wirkt sich erheblich auf Initiativen und Beteiligung aus. Deshalb möchten wir an Stadtverwaltung und Freiburger Stadtbau GmbH appellieren, die Offenlegung des Bebauungsplanes zu verschieben, bis sich die Lage „normalisiert“ hat. Die Ausschreibung für einen Wohnmobilstellplatz neben dem neuen Fußballstadion erfolgte bereits in den letzten Wochen im Amtsblatt. Es ist zu befürchten, dass auch der Bebauungsplan schnell und ohne großes Aufsehen abgewickelt werden könnte.

Im Alltag geht es nun um die Krisenbewältigung und veränderte Lebensbedingungen. Gerade jetzt sind wir sehr dankbar im Metzgergrün zu leben – wir fühlen uns hier sicher und können durch die gegebenen kleinen Strukturen den Abstand halten und im Kontakt miteinander bleiben, uns weiterhin gegenseitig unterstützen. Viele NachbarInnen gehören zu sogenannten „Risikogruppen“. Die Gärten schenken uns Lebensraum und Grünkraft. Wir erfreuen uns – die Natur atmet auf, es zwitschert so laut wie nie zuvor. Wir können uns mit heilsamen Kräutern aus dem eigenen Garten versorgen. Die Obstbäume blühen und die Gemüsebeete werden vorbereitet. Es wird gehackt, gesät gepflanzt und gebrütet, und vielleicht summt es auch bald wieder mehr… Wie wertvoll sind diese urbanen Dörfer – es müsste viel mehr davon geben!

Mit beste Grüßen und Wünschen für gute Gesundheit und eine bessere Zukunft

Ihre IG Metzgergrün

Posted in General | Tagged , , , | Kommentare deaktiviert für Offener Brief der IG Metzgergrün zum „Projekt Metzgergrün“ – Offenlage des Bebauungsplans

Stellungnahme der IG Metzgergrün zu den Artikeln im SPD Stühlinger Magazin

„Metzgergrün – Ein Stühlinger Wohnquartier verändert sich“, war der Titel des Stühlinger SPD – Magazins im November 2019. Das Metzgergrün wird verändert, trifft es aus unserer Perspektive viel eher.

„Die Sache ist gelaufen“, wird uns BewohnerInnen schon seit Jahren erzählt. Der Erhalt ist doch nun wirklich endgültig vom Tisch, der Abriss schon seit langem geplant und beschlossen. Nur wir sind leider zu dumm, um es endlich zu kapieren und uns damit abzufinden. Wir sollten froh sein, dass wir überhaupt noch da sind, bekommen wir zu hören und dass wer will doch bleiben könne. So einfach kann es sein, ist es aber nicht!

Wenn die MieterInnen des Metzgergrüns über die Jahre befragt wurden, haben sich die meisten klar für Erhalt und Instandhaltung ausgesprochen und auch die notwendigen Veränderungen gefordert. Im Zeitraum von 2012 bis 2016 wurden drei Nachbarschaftsumfragen von der Bewohnerinitiative erhoben, eine Bachelor-Arbeit befasst sich mit dem Engagement der BewohnerInnen für ihr Viertel. Wir wurden gefilmt und vom Radio interviewt. Eine Vielzahl von Begehungen, Treffen und Informationsveranstaltungen fanden statt.

Eine entscheidende Größe fehlte jedoch sowohl der Basis wie dem großen Ganzen: Die Diskussion und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Möglichkeiten. „Soziale Stadt“- Förderung, Erhaltungssatzung, Milieuschutz – dies alles wurde ausgeklammert und mit uns nicht besprochen.
Es war einfach kein Thema, obwohl die AufsichtsrätInnen der Freiburger Stadtbau GmbH durchaus verschiedene Veränderungsoptionen fürs Metzgergrün diskutierten.

Wie ist es möglich, fragen wir uns, daß diese Informationen nicht zu uns ins Viertel zurückflossen? Wenn sich Quartiersrat und Bürgerverein so aktiv und initiativ im Prozess zeigten, wie die Stadtplanung behauptet, wie genau wurden die BewohnerInnen denn beteiligt und ihre Lebensrealitäten berücksichtigt? Unser Widerstand trifft auf Unverständnis – doch warum wir protestieren werden wir nicht gefragt!

„Dornröschenschlaf vorbei“, verkündete die Presse den Siegerentwurf im Jahr 2017. In diesem wurde uns dann auch ganz klar unser Platz zugewiesen: Eine Vielzahl der Sozialwohnungen wird im Lärmschutzriegel entlang der Bahnlinie angesiedelt. Auch bedeutet die „bessere Durchmischung“ der neuen Nachbarschaften eine Trennung: Sozialgeförderte Wohnungen, freifinanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen werden in unterschiedlichen Gebäuden separiert. Und die Zahl an bezahlbaren Wohnungen wird nicht sonderlich erhöht. Das alles scheint für diestädtische Planung wohl ganz normal zu sein und das gilt dann als zeitgemäß! Vom Verlust der gesamten Hausgärten und 90 Bäume des jetzigen Viertels mal ganz zu schweigen…

Die letzte Informationsveranstaltung der Freiburger Stadtbau für die MieterInnen des Metzgergrüns präsentierte exemplarisch eine 2 Zimmer – Sozialwohnung von 45qm, abzüglich der 4qm-Balkonfläche. Darin eine Küche mit 5 Türen und Zugang zur Toilette. Im Hof eine Gartenfläche von 320qm für schätzungsweise 50 Mietparteien…
Ja, wir können bleiben, wenn wir das akzeptieren, was uns angeboten wird. Die Kräfte sind ungleich verteilt, das kennen wir nicht anders.

Um unsere Situation als MieterInnen am aktuellen Geschehen zu verdeutlichen: Auf den Siegerentwurf 2017 folgten prompt Mieterhöhungen. Die Betriebskosten wurden uns dann sowohl 2018 als auch 2019 erhöht – trotz des vom Gemeinderat verordneten Mieterhöhungsstopp für die FSB!
Besser spät als nie wollen wir auf diese Missstände und unsere Würde aufmerksam machen. „Alle Menschen sind gleich“, doch wer mehr hat ist wohl gleicher… Und da wird ernsthaft von uns erwartet und gefordert, dass wir den Abriss unseres Wohnviertels tatkräftig unterstützen?

Anett Zeller und Sophia Grässlin für die Interessengemeinschaft Metzgergrün,
Dezember 2019

Posted in General | Tagged , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Stellungnahme der IG Metzgergrün zu den Artikeln im SPD Stühlinger Magazin

Darstellung der Bewohnerstruktur des Metzgergrüns

Die Daten für ein Bevölkerungsprofil wurden durch persönliche Befragung von jeweils einer Person pro Haus im Juni/Juli 2019 von der IG Metzgergrün aufgenommen.

Das Metzgergrün-Quartier besteht aus vier Straßenzügen mit insgesamt 60 Häusern:

  • Ferdinand-Weiß-Straße mit 9 Häusern
  • Häberlestraße mit 13 Häusern
  • Whittierstraße mit 20 Häusern
  • Im Metzgergrün mit 18 Häusern

1. Wohnungen

Die Wohnhäuser umfassen 236 Wohnungen, davon sind 236 belegt (nach offiziellen Zahlen 252 Wohnungen).

2. Belegung

In den Häusern leben 307 Personen

2.1. Geschlecht

  • 188 männlich
  • 113 weiblich
  • 1 divers

    

2.2 Alter

  • 5 Babys/ Kleinkinder bis drei Jahre
  • 10 Kinder bis 14 Jahre
  • 5 Jugendliche bis 18 Jahre
  • 242 Erwachsene bis 65 Jahre
  • 30 Senioren bis 79 Jahre
  • 5 alte/ hochbetagte Menschen über 80 Jahre

3. Gesundheit

  • 55 Personen haben eine dauerhafte physische oder psychische Erkrankung
  • 9 Personen benutzen Gehhilfen/Rollatoren
  • 1 Person ist auf einen Rollstuhl angewiesen

4. Lebensunterhalt (274 P.)

  • 126 Personen sind beruflich tätig
  • 74 sind berentet/pensioniert
  • 74 Personen beziehen Hartz4 o.ä.

5. Mietdauer (275 P.)

  • bis 5 Jahre: 69 Personen
  • bis 10 Jahre: 65 Personen
  • bis 20 Jahre: 77 Personen
  • schon ewig: 64 Personen

Zusatzfrage Erhalt (56 P.)

  • 50x ja
  • 3x nein
  • 3x unentschieden

Kommentare der Befragten meist auf Zusatzfrage bezogen

  • Mietdauer 19 und 49 Jahre“
  • Bisschen renovieren in Eigeninitiative“
  • Privat befragt ja, im Haus auch ja, aber wegen Involviertheit neutral“
  • Mit energetischer Sanierung, unbedingter Gartenerhalt und Ensemblestruktur“
  • Erhalt bei besserer Wärmedämmung, Neubau wäre auch gut.“
  • gerne größere Wohnung, weniger Stromkosten“
  • Erhalt nur mit Sanierung“ 6x
  • mit energetischer Verbesserung“
  • Glaubt nicht mehr an Erhalt“
  • inklusive Sitzstreik :)“
  • Für die Verbesserung der Häuser und gegen Abriss“
  • Wunsch…?…grün erhalten“
  • Paradies!“
  • Andere im Haus dagegen“ (gegen Erhalt)
  • Wohnung seit 2 Jahren vermietet, aber unbewohnt“

Ergebnisse der Befragung

58 BewohnerInnen des Metzgergrüns wurden zu ihren Häusern befragt.

Diese Angaben zeigen, dass von 302 Personen 188 Männer und 113 Frauen sind.

72% der Menschen sind im Alter zwischen 19 und 65 Jahre (Altersgruppe nicht zu differenzieren, da zu groß gefasst), 9% Personen sind im Rentenalter, knapp 3% sind Kinder bis 14 Jahre und je 1,5% der BewohnerInnen sind Kleinkinder, Jugendliche und Hochbetagte.

Knapp 17% Personen sind dauerhaft erkrankt (Zu dieser Frage konnte oder wollte der Befragte häufig keine Angaben machen. Vermutlich sind noch mehr Menschen im Alltag physisch, psychisch und durch Suchterkrankungen eingeschränkt). Auf Gehhilfe oder Rollator sind knapp 3% der BewohnerInnen angewiesen. Ein Rollstuhlfahrer hat mithilfe einer Rampe Zugang zu seiner Wohnung.

Zum Lebensunterhalt wurde für 224 der insgesamt 302 Personen Angaben gemacht. Beruflich tätig sind 28% der Menschen. Rente und Hartz IV beziehen jeweils 16,5% der BewohnerInnen. Zu 78 Personen liegen keine Angaben vor (Nicht erfasst ist das persönliche Einkommen und Umfang der Tätigkeit, z.B. Vollzeit, Teilzeit, auch bei Rente, Aufstockung von Sozialleistungen, etc.).

Für 275 Personen gibt es Angaben über Mietdauer. 20,8% wohnen weniger als 5 Jahre hier, 19,6% bis zu 10 Jahren. Bis zu 20 Jahren sind 23,3% der MieterInnen und 19,3% „schon ewig“, d.h. länger als 20 Jahre. Einige leben sogar seit Bau der Siedlung im Jahr 1955 im Metzgergrün, also über 60 Jahre!

In der Zusatzfrage sprachen sich 50 BewohnerInnen gegen Abriss und für den Erhalt aus. Drei Personen sind jeweils für Neubau und unentschieden. Eine Person wollte sich wegen Involviertheit nicht äußern.

Posted in General | Kommentare deaktiviert für Darstellung der Bewohnerstruktur des Metzgergrüns

Metzgergrün-Quartier geht alle an! – Unser aktueller Flyer

Als IG Metzgergrün haben wir nun einen Flyer mit unseren Forderungen und Argumenten erstellt und auch schon eifrig verteilt. Hier gibt es den Flyer als digitale Version: Flyer IG Metzgergrün

Auch sonst waren wir nicht untätig und haben viele Gespräche mit AnwohnerInnen und GemeinderätInnen geführt. Wir bleiben weiter aktiv gegen den Abriss unseres Quartiers!

Posted in General | Tagged , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Metzgergrün-Quartier geht alle an! – Unser aktueller Flyer

Interessengemeinschaft Metzgergrün gegründet!

Wir haben uns als Bewohner zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um auf unsere Situation aufmerksam zu machen. Der geplante Abriss unserer Wohnungen, verbunden mit dem Verlust der Gärten, schafft viele Unsicherheiten, Ängste und Befürchtungen.

Jahrelang wurde in Machbarkeitsstudien die behutsame Sanierung des Metzgergrüns unter Einbeziehung der Mieterschaft erwogen. Vor einigen Monaten teilte uns die Freiburger Stadtbau GmbH mit, dass ein Abriss und gleichzeitiger Neubau des gesamten Viertels geplant ist.

Die Bebauung soll dermassen verdichtet werden, dass die Wohnfläche unseres Viertels sich mindestens verdreifachen wird. Neben Sozialwohnungen soll ein erheblicher Anteil des Gebiets auch mit Eigentums- und frei vermietbaren Wohnungen bebaut werden.

Die Nachkriegshäuser unseres Viertels sind einfach gebaut und die Mieten sind vergleichsweise günstig. Hier leben fast ausschliesslich Menschen mit geringem Einkommen sowie Rentner und Transferleistungsempfänger, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance hätten, eine Wohnung zu finden. 

Mit dem Abriss würde eine kleine grüne Oase mit vielfältigen Lebensräumen innerhalb unserer Stadt verschwinden. Eine Idylle mit einfachen kleinen Reihenhäusern, Hausgärten, Naturnähe und einem über Jahrzehnte gewachsenen sozialen Umfeld würde unwiederbringlich zerstört.

Wir haben Angst vor dem Verlust unserer vertrauten Nachbarschaft!

Wir haben Angst, dass wir uns eine Neubauwohnung nicht mehr leisten können, weil dann die Miete steigen wird!

Wir haben Angst, dass wir verdrängt und vertrieben werden!

Wir wünschen uns eine sozial und ökologisch verträgliche Sanierung und keinen Abriss!

Mehr als 140 Bewohner der insgesamt etwa 250 Mietparteien des Metzgergrüns haben sich bereits mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Viertels in seiner jetzigen Form ausgesprochen. Die Unterschriftenlisten haben wir Herrn Oberbürgermeister Horn bei der Ortsbegehung am 14.03. 2019 überreicht.

Um unseren Protest sichtbar zu machen haben wir an einigen Häusern Plakate aufgehängt.

Für Fragen steht die IG Metzgergrün zur Verfügung unter: interessengemeinschaft_metzgergruen[at]riseup.net

Posted in General | Tagged , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Interessengemeinschaft Metzgergrün gegründet!