Stellungnahme der IG Metzgergrün zu den Artikeln im SPD Stühlinger Magazin

„Metzgergrün – Ein Stühlinger Wohnquartier verändert sich“, war der Titel des Stühlinger SPD – Magazins im November 2019. Das Metzgergrün wird verändert, trifft es aus unserer Perspektive viel eher.

„Die Sache ist gelaufen“, wird uns BewohnerInnen schon seit Jahren erzählt. Der Erhalt ist doch nun wirklich endgültig vom Tisch, der Abriss schon seit langem geplant und beschlossen. Nur wir sind leider zu dumm, um es endlich zu kapieren und uns damit abzufinden. Wir sollten froh sein, dass wir überhaupt noch da sind, bekommen wir zu hören und dass wer will doch bleiben könne. So einfach kann es sein, ist es aber nicht!

Wenn die MieterInnen des Metzgergrüns über die Jahre befragt wurden, haben sich die meisten klar für Erhalt und Instandhaltung ausgesprochen und auch die notwendigen Veränderungen gefordert. Im Zeitraum von 2012 bis 2016 wurden drei Nachbarschaftsumfragen von der Bewohnerinitiative erhoben, eine Bachelor-Arbeit befasst sich mit dem Engagement der BewohnerInnen für ihr Viertel. Wir wurden gefilmt und vom Radio interviewt. Eine Vielzahl von Begehungen, Treffen und Informationsveranstaltungen fanden statt.

Eine entscheidende Größe fehlte jedoch sowohl der Basis wie dem großen Ganzen: Die Diskussion und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Möglichkeiten. „Soziale Stadt“- Förderung, Erhaltungssatzung, Milieuschutz – dies alles wurde ausgeklammert und mit uns nicht besprochen.
Es war einfach kein Thema, obwohl die AufsichtsrätInnen der Freiburger Stadtbau GmbH durchaus verschiedene Veränderungsoptionen fürs Metzgergrün diskutierten.

Wie ist es möglich, fragen wir uns, daß diese Informationen nicht zu uns ins Viertel zurückflossen? Wenn sich Quartiersrat und Bürgerverein so aktiv und initiativ im Prozess zeigten, wie die Stadtplanung behauptet, wie genau wurden die BewohnerInnen denn beteiligt und ihre Lebensrealitäten berücksichtigt? Unser Widerstand trifft auf Unverständnis – doch warum wir protestieren werden wir nicht gefragt!

„Dornröschenschlaf vorbei“, verkündete die Presse den Siegerentwurf im Jahr 2017. In diesem wurde uns dann auch ganz klar unser Platz zugewiesen: Eine Vielzahl der Sozialwohnungen wird im Lärmschutzriegel entlang der Bahnlinie angesiedelt. Auch bedeutet die „bessere Durchmischung“ der neuen Nachbarschaften eine Trennung: Sozialgeförderte Wohnungen, freifinanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen werden in unterschiedlichen Gebäuden separiert. Und die Zahl an bezahlbaren Wohnungen wird nicht sonderlich erhöht. Das alles scheint für diestädtische Planung wohl ganz normal zu sein und das gilt dann als zeitgemäß! Vom Verlust der gesamten Hausgärten und 90 Bäume des jetzigen Viertels mal ganz zu schweigen…

Die letzte Informationsveranstaltung der Freiburger Stadtbau für die MieterInnen des Metzgergrüns präsentierte exemplarisch eine 2 Zimmer – Sozialwohnung von 45qm, abzüglich der 4qm-Balkonfläche. Darin eine Küche mit 5 Türen und Zugang zur Toilette. Im Hof eine Gartenfläche von 320qm für schätzungsweise 50 Mietparteien…
Ja, wir können bleiben, wenn wir das akzeptieren, was uns angeboten wird. Die Kräfte sind ungleich verteilt, das kennen wir nicht anders.

Um unsere Situation als MieterInnen am aktuellen Geschehen zu verdeutlichen: Auf den Siegerentwurf 2017 folgten prompt Mieterhöhungen. Die Betriebskosten wurden uns dann sowohl 2018 als auch 2019 erhöht – trotz des vom Gemeinderat verordneten Mieterhöhungsstopp für die FSB!
Besser spät als nie wollen wir auf diese Missstände und unsere Würde aufmerksam machen. „Alle Menschen sind gleich“, doch wer mehr hat ist wohl gleicher… Und da wird ernsthaft von uns erwartet und gefordert, dass wir den Abriss unseres Wohnviertels tatkräftig unterstützen?

Anett Zeller und Sophia Grässlin für die Interessengemeinschaft Metzgergrün,
Dezember 2019

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